Trends im Grafikdesign

Was ist gerade angesagt? Wir haben bei drei Experten in unserem Umfeld nachgefragt.

„Leise ist das neue Laut“

Foto Jürgen Kaffer

Jürgen Kaffer, Creative Director bei Territory

In den klassischen Magazinen am Kiosk gibt es momentan wenig gestalterische Innovation – hier geht Sicherheit vor. Wenn sich etwas tut, dann inhaltlich: Testimonial Magazine (Barbara, Boa, Hirschhausen) liegen aktuell im Trend. Auf dem Markt der Independent Magazine gibt es eine Tendenz zur Entschleunigung und Reduktion. Momentan werden Bild und Text stark voneinander getrennt und die zweite Informationsebene, also Marginalspalten und Kästen, verschwindet fast ganz. Auch die Typografie ist nicht mehr aggressiv, laut und vielfältig – es gibt Magazine, die werden mit nur einer Schrift umgesetzt. Heute gilt oft: Content first!

„Vielfalt statt Einheitstrend“

Foto Merle Rosen

Merle Rosen, Art Director und Editorial Designer

Den einen Haupttrend, den alle durchziehen, gibt es gar nicht mehr. Eher viele Nebenströmungen. Wir haben heute eine sehr große Bandbreite – das liegt natürlich auch an den neuen technischen Möglichkeiten. Speziell im typografischen Bereich wird das Design funktionaler, reduzierter und klarer. Man sieht wieder sehr viele Groteskschriften, die aber einen dynamischen, charaktervollen Einschlag haben und dadurch freundlicher und gefühliger geprägt sind. Das fällt besonders im Web auf, aber immer stärker auch im Printbereich.

„Die Periodik sinkt – die Qualität steigt“

Foto Karsten Henke

Karsten Henke, Art Director mann+maus

Zeitschriftendesign ist nicht trendorientiert, wie etwa die Modebranche. Dort erscheinen zu jeder Jahreszeit neue Kollektionen. Ähnlich wie in der Autobranche findet bei Zeitschriften eher ein fließender Entwicklungsprozess statt. Die Produkte werden immer besser. Corporate Medien entfernen sich mehr vom Corporate Design, dadurch sind wir Grafiker freier und können mehr experimentieren. Die Periodik von Mitarbeitermagazinen sinkt tendenziell – dafür werden sie hochwertiger und erinnern immer mehr an Kiosktitel. Durch Instagram haben die Menschen ein gutes Auge für Fotos und ihre Inszenierung bekommen – das wirkt sich auch auf die Qualität der Magazine aus.

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